{"id":1168,"date":"2015-11-29T22:47:57","date_gmt":"2015-11-29T20:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lehrpraxis.or.at\/?p=1168"},"modified":"2021-11-14T15:21:47","modified_gmt":"2021-11-14T13:21:47","slug":"interview-kleine-zeitung-28-11-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lehrpraxis.or.at\/?p=1168","title":{"rendered":"Interview KLEINE ZEITUNG 28.11.2015"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen des diesj\u00e4hrigen Grazer Kongresses f\u00fcr Allgemeinmedizin wurden wir von der KLEINEN ZEITUNG zu einem Interview zu unserem Fach eingeladen. Hier der gesamte Wortlaut:<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Wir sind Ganzheitsmediziner&#8220;<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist seit 30 Jahren Hausarzt, sie gerade in der Ausbildung: Vater und Tochter erz\u00e4hlen von neuen Herausforderungen in der Allgemeinmedizin wie Dr. Google, Vertrauensverlust und die Herrschaft der Technik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kl.<\/strong>: Frau Wendler, alle sprechen von Land\u00e4rztesterben, Sie haben sich f\u00fcr die Allgemeinmedizin entschieden. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MARIA WENDLER<\/strong>: Was mich an der Allgemeinmedizin begeistert, ist das breit gef\u00e4cherte Arbeiten: Wir haben das ganze Spektrum, vom Kind bis zum alten Menschen. Au\u00dferdem steht in der Hausarzt-Praxis das Betreuen mehr im Mittelpunkt: Man begleitet Patienten \u00fcber viele Jahre, man bekommt einen Einblick in den Alltag, erf\u00e4hrt Dinge, die einem die Augen \u00f6ffnen. Das macht viel Spa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MICHAEL WENDLER<\/strong>: Ich sage immer, wir sind Ganzheitsmediziner: Es braucht nat\u00fcrlich das medizinische Wissen, aber wir kennen auch die Familiengeschichte, die sozialen Umst\u00e4nde von Patienten, was gerade bei alten Menschen wichtig ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kl.<\/strong>:Das Thema alte Menschen ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Medizin: Mit dem Alter leiden wir an immer mehr Krankheiten, nehmen immer mehr Medikamente. Welche Rolle spielt hier der Hausarzt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MICHAEL WENDLER<\/strong>: Diese geriatrischen Patienten werden sich in den n\u00e4chsten zehn Jahren verdoppeln \u2013 und das w\u00e4re eine Zukunftsrolle f\u00fcr den Hausarzt, die Begleitung bis zum Lebensende. Hier ist es besonders wichtig, abwarten zu k\u00f6nnen, einen Schritt zur\u00fcckzugehen und den ganzen Menschen zu betrachten. Nicht jedes neue Wehwehchen braucht ein neues Medikament.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kl.<\/strong>: Der Hausarzt sollte der erste Ansprechpartner sein. Immer \u00f6fter wird er aber umgangen, der Weg f\u00fchrt zu Fach\u00e4rzten oder in Spitalsambulanzen. Haben Haus\u00e4rzte ein Vertrauensproblem?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MICHAEL WENDLER<\/strong>: Ich denke, es ist ein Wertsch\u00e4tzungsproblem. Unsere Arbeit wird von vielen Kollegen nicht verstanden, es wird der Eindruck vermittelt: Technik ist alles, die sprechende Medizin, die wir betreiben, z\u00e4hlt nicht. Au\u00dferdem ist die Lotsenfunktion des Hausarztes durch die E-Card v\u00f6llig verloren gegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MARIA WENDLER<\/strong>: In unserer schnelllebigen Zeit wurde der Hausarzt zu einem Service-Leister degradiert: Rezepte schreiben, \u00dcberweisung ausstellen, dann geh ich zum Spezialisten. Au\u00dferdem spielt Dr. Google eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle, es wird aber zu selten hinterfragt, was da steht. Nicht bei jedem Knieschmerz braucht es ein MRT.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kl.<\/strong>: Dr. Google wird immer \u00f6fter als Erstratgeber zurate gezogen. Wie geht man als Arzt damit um?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MICHAEL WENDLER<\/strong>: Einzelne Patienten sind sich der Gefahr der Internetportale bewusst, aber das ist die Minderheit. Die Mehrheit hat irgendwelche Beschwerden, und googelt. Am n\u00e4chsten Tag kommen sie v\u00f6llig verunsichert in die Praxis, denn sie k\u00f6nnen nicht zwischen guter und schlechter Information unterscheiden. Das ist kein Gewinn, sondern ein Problem. Ich muss ihnen klar machen, dass das Naheliegende auch das Wahrscheinliche ist. Schnupfen kann von Syphillis kommen, meistens ist es aber nur eine Erk\u00e4ltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kl.<\/strong>: Aber woher kann ich denn wissen, dass mein Arzt gut und am neuesten Stand der Wissenschaft ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MICHAEL WENDLER<\/strong>: Es stimmt, ich wei\u00df als Patient nicht, wie gut mein Arzt ist, weil es in \u00d6sterreich keine Qualit\u00e4tssicherung gibt. Aber ich kann es an gewissen Dingen erkennen: Das sind zum Beispiel Serviceleistungen, erinnert mein Arzt mich an Impfungen, ruft er mich zu Nachkontrollen? Und ich kann nat\u00fcrlich nachfragen! Ein guter Allgemeinmediziner ist bereit dar\u00fcber Auskunft zu geben, wie er sich fortbildet, welche Schwerpunkte er hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MARIA WENDLER<\/strong>: Man muss damit umgehen k\u00f6nnen, dass man hinterfragt wird. Denn wenn der Patient von mir die Information, die er haben will, nicht bekommt, googelt er so lange, bis er eine Antwort hat. Daher ist das Gespr\u00e4ch mit Patienten sehr wichtig \u2013 und dann muss man als Arzt auch zeigen k\u00f6nnen: Das steht hier in den Leitlinien, deshalb mache ich das so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kl.<\/strong>: Noch einmal zur\u00fcck zum Land\u00e4rztesterben: Welche Anreize braucht es f\u00fcr Jungmediziner, in die Praxis zu gehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MICHAEL WENDLER<\/strong>: Je fr\u00fcher der Medizinstudent sieht, wie es in der Praxis l\u00e4uft, desto eher entscheidet er sich f\u00fcr die Allgemeinmedizin. Es br\u00e4uchte eine Fr\u00fchfarmulatur, um zu sehen, wie es in der Praxis wirklich aussieht. Aber es werden jungen \u00c4rzten auch viele H\u00fcrden in den Weg gestellt: Warum ist es f\u00fcr eine junge Frau, die Allgemeinmedizin machen m\u00f6chte, kaum m\u00f6glich, eine Doppelpraxis zu gr\u00fcnden und Teilzeit zu arbeiten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>MARIA WENDLER<\/strong>: Eines unserer wichtigsten Anliegen ist, nicht mehr das Gef\u00fchl zu haben, in der Praxis auf uns alleine gestellt zu sein. Zwar baut sich jeder Hausarzt sein Netzwerk an Kollegen, Physiotherapeuten oder Fach\u00e4rzten \u2013 aber es ist m\u00fchsam. Das zu erleichtern, w\u00e4re ein gro\u00dfes Ziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>INTERVIEW: SONJA SAURUGGER (Kl)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des diesj\u00e4hrigen Grazer Kongresses f\u00fcr Allgemeinmedizin wurden wir von der KLEINEN ZEITUNG zu einem Interview zu unserem Fach eingeladen. 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