{"id":3346,"date":"2021-12-23T12:03:00","date_gmt":"2021-12-23T10:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lehrpraxis.or.at\/?p=3346"},"modified":"2022-03-13T13:56:13","modified_gmt":"2022-03-13T11:56:13","slug":"das-profil-der-praxis-dr-wendler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lehrpraxis.or.at\/?p=3346","title":{"rendered":"Das Profil der Praxis Dr. Wendler"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Meine Ordination im Praxisalltag, vor kurzem dargestellt in einem Interview, das Dr. Matthias Berner von der JAM\u00d6 (Junge Allgemeinmedizin \u00d6sterreich) mit mir, dem Praxisleiter gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u00a0<\/p>\n<p><strong>Dr. Matthias Berner (JAM\u00d6):<\/strong> <em>Lieber Michael! Gerne w\u00fcrden wir ein wenig \u00fcber deine T\u00e4tigkeit und deine Praxis erfahren.<\/em><br \/><em>Wie lange bist Du schon in Andritz als Hausarzt t\u00e4tig?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Dr. Michael Wendler (M.W.):<\/strong> Ich bin jetzt seit 36 Jahren in der Einzelpraxis t\u00e4tig, viele Patienten sind mit mir mitgewachsen und mit mir alt geworden. Die Arbeit ist immer noch spannend, aber die B\u00fcrokratie hat sich im Gegensatz zur Zeit mit Krankenscheinen vervielfacht.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6:<\/strong> <em>Welche Menschen versorgst Du vor allem?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Wir sind allm\u00e4hlich eine geriatrische Schwerpunktpraxis geworden und haben einen \u00fcberproportionaler Anteil von PatientInnen \u00fcber 65, f\u00fcr mich erstaunlich viele schon \u00fcber 90 Jahre. Viele faktisch alleinstehend und mit eingeschr\u00e4nkter Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6:<\/strong> <em>Gibt es besondere Probleme mit diesem spezifischen Patientengut?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Es ist eine sehr visitenintensive Betreuung, \u00a0in vielen F\u00e4llen in Kontakt mit 24-h-Betreuerinnen aus dem Ausland, die durch mangelnde Sprachkenntnisse oft schwierig zu f\u00fchren sind und es dann zum Fehlen wichtiger Informationen f\u00fcr die Behandlung der chronischen Krankheiten und deren akuten Verschlechterungen f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">Und oft ist der Betreuungsaufwand hoch, da aus verschiedenen Gr\u00fcnden eine Spitalseinweisung nicht zielf\u00fchrend, kontraproduktiv oder nachhaltig traumatisierend sein k\u00f6nnte. Ich bin fast tagt\u00e4glich mit aufw\u00e4ndigen pflegerischen Fragestellungen befasst. Unsere Praxis ist dann sozialmedizinische Drehscheibe in einem selbst aufgebauten Netzwerk, da daf\u00fcr geforderte Strukturen nicht funktionieren, wie Entlassungsmanagement, Sozialarbeit.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6:<\/strong> <em>In Hinblick auf die Hausbesuche, wie ist die Struktur deines Einzugsgebietes?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Eigentlich ist schon die halbe Praxis am Land und wir betreuen zahlreiche Patienten in den Umlandgemeinden Stattegg und Weinitzen, Visiten f\u00fchren mich bis auf die Leber, Steingraben und Rinnegg am Fu\u00df des Sch\u00f6ckl-Massivs. Da wird man schon auch in den Randzeiten hinausgeholt oder an freien Tagen ben\u00f6tigt. Das muss man m\u00f6gen, belohnt einen aber auch mit sch\u00f6nen Eindr\u00fccken der Landschaft und Natur mit Blick auf Graz fern des Alltagstrubels bei jedem Wetter und bei jeder Jahreszeit, inklusive im Winter die Ketten anlegen.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6:<\/strong> <em>Wenn man das so h\u00f6rt, wie sch\u00e4tzt Du die Unterst\u00fctzung Deiner Vertragspartner und der Institutionen ein?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Hier d\u00fcrfte ich gar nicht antworten! Aber gerade Honorarlimite bei allen Positionen, die in der geriatrischen Betreuung hilfreich w\u00e4ren, zum Beispiel haus\u00e4rztlicher Koordinationszuschlag oder aufw\u00e4ndige Visite, und ein Visitenhonorar von 34,- Euro sprechen eine eigene Sprache und sind bereits selbstredend die Antwort. Die von Politikern in letzter Zeit so hochgelobte Covid-Impfberatung beim Hausarzt, die oft bis zu einer halben Stunde dauert, ist unbezahlt &#8211; aber angeblich soll sich das ja einmal \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6:<\/strong> <em>Wie konntest Du in diese Praxis die Lehre integrieren?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Die Lehre war immer die W\u00fcrze im typisch \u00f6sterreichischen Einarztsystem. H\u00e4tte ich nicht seit 30 Jahren den Kontakt mit jungen Medizinern in meine Praxis gehabt, w\u00e4re ich vielleicht schon l\u00e4ngst abgestumpft und als demotivierter Hausarzt an der andauernden \u00dcberlastungsgrenze oder in einer Resignationsstimmung, die einen hindern kann, mit den raschen Entwicklungen unseres Faches mitzuhalten.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6:<\/strong> <em>Du sprichst von Deinem \u201eFach\u201c. In \u00d6sterreich gibt es keinen Facharzt f\u00fcr Allgemeinmedizin. Wie stehst Du dazu?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Wissenschaftliche Analysen und medizinische Studien zeigen eindeutig, dass Haus- und Familien\u00e4rzte ihre eigenen, speziellen Kompetenzen haben m\u00fcssen und eine Methodik anwenden m\u00fcssen, die sich von anderen F\u00e4chern unterscheidet. Nach wie vor sind diese fachspezifischen Inhalte in der Ausbildung kaum vorhanden; in den Lehrspit\u00e4lern k\u00f6nnen sie nicht vermittelt werden, und Kollegen, die aus einem Spezialfach in die Allgemeinpraxis gehen, sind damit oft schlichtweg \u00fcberfordert. Wir sind ein spezielles Fach mit hoch komplexen Anforderungen.<\/p>\n<p><strong>JAM\u00d6: <\/strong><em>Du gehst bald in Pension. Was w\u00fcrdest Du Dir f\u00fcr diesen Standort in Zukunft w\u00fcnschen?<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>M.W.:<\/strong> Ich w\u00fcnsche meinen vielen treuen und bem\u00fchten Patienten, dass Sie einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin bekommen, die ihnen an dem Standort weiter diese Komplexe wohnortnahe und sozialmedizinische Betreuung bieten wollen und k\u00f6nnen, und bereit ist, die niederschwellige Betreuung vor Ort &#8211; also auch zu Hause bei den Patienten &#8211; fortzuf\u00fchren. Letzten Endes sind auch Hausbesuche eine wesentliche Kernkompetenz unserer Arbeit, und meine Patienten werden sich das auch von meiner Nachfolge erwarten. Es soll eine Generationenpraxis in Versorgung und Lehre bleiben und eine Netzwerkdrehscheibe f\u00fcr unseren Bezirk.<\/p>\n<p><strong>Dr. Matthias Berner (JAM\u00d6)<\/strong>: <em>Lieber Michael! Danke f\u00fcr Deine Zeit und die Einblicke, die Du uns gew\u00e4hrt hast.<\/em><\/p>\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>Dr. Michael Wendler:<\/strong> Gerne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Ordination im Praxisalltag, vor kurzem dargestellt in einem Interview, das Dr. Matthias Berner von der JAM\u00d6 (Junge Allgemeinmedizin \u00d6sterreich) mit mir, dem Praxisleiter gef\u00fchrt hat. \u00a0 Dr. Matthias Berner (JAM\u00d6): Lieber Michael! Gerne w\u00fcrden wir ein wenig \u00fcber deine T\u00e4tigkeit und deine Praxis erfahren.Wie lange bist Du schon in Andritz als Hausarzt t\u00e4tig? 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